Aus der Geschichte des Ois
Aus der Geschichte des Ois
Unser Ois – eine Reise 300 Jahre zurück
Unser Ois ist jetzt knapp 300 Jahre alt, zumindest wenn man nach den Daten geht, die an verschiedenen Stellen des Hofs geschrieben stehen.
Vor 300 Jahren, also Mitte des 18. Jahrhunderts, war eine turbulente Zeit in dem Gebiet, welches heute die Pfalz umfasst. Wie so oft spielten sich Konflikte zwischen den großen europäischen Herrschaftshäusern ab und hinterließen deutliche Spuren.
Am Ende des 30-jährigen Krieges, 1648, fiel die Herrschaft über Elsass und Lothringen an das französiche Königshaus. Ludwig XIV, der seit 1643 bis zu seinem Tode 1715 König von Frankreich war, war stets bestrebt, seinen Herrschaftsbereich auszudehnen. Im Jahr 1688 begann der von Ludwig provozierte Pfälzische Erbfolgekrieg, der sich bis 1697 hinzog.
Ludwig begann 1688 die Stadt Landau, die direkt an der Grenze des Heiligen Römischen Reiches lag, zur Festung auszubauen. Der Bau der Festung dauerte offiziell bis 1691, er endete aber keineswegs nach drei Jahren, sondern wurde bis weit in das 18. Jahrhundert fortgesetzt. Die Festungsanlagen entwickelten sich natürlich im Fortgang mit der Entwicklung der Militärtechnik.
Aber was hat die große Politik mit dem Ois zu tun?
Nun, der Schlussstein über dem Eingangstorbogen kann dazu einen Hinweis geben. Er zeigt eine Schleuse mit zwei Kähnen. Darunter die Inschrift „CANAL“. Darüber sind zwei stilisierte Lilien zu sehen. Links daneben die Angaben 1734 und auf der rechten Seite die Monogramme H und AM.
Fangen wir mit den Schleusen und dem CANAL an. Im Rahmen des Landauer Festungsbaus, mit dem Vauban, der Festungsbaumeister Ludwigs XIV., beauftragt wurde, benötigt man natürlich Holz und Steine als Baumaterial. Beides war im Pfälzer Wald reichlich vorhanden.
Holz, Sandstein, Gneis aus Albersweiler und Kalk von der Kalmit und aus Siebeldingen. Um das Baumaterial nach Landau zu bringen, baute man im Flusstal der Queich einen Kanal, den sogenannten Albersweiler Kanal. Er führte von Albersweiler bis vor die Tore Landaus und endete dort, wo sich heute der Westbahnhof befindet.
Zur Überwindung des Höhenunterschieds von knapp 12 Metern mussten auf der Strecke mehrere Schleusen angelegt werden. Auf einem alten Plan erkennt man, dass sich im Bereich Siebeldingens am Kanal drei Schleusen und ein Schleusenwärterhäuschen befanden.
Da unser Hof etwas abseits, nördlich des Kanals liegt, und der Umfang der Gebäude inklusive Stallungen, eines Nebenhauses und einer Umfriedung relativ groß ist, legt das den Schluss nahe, dass die Bewohner, vermeintlich Beamte des französischen Staates, für die Verwaltung des Kanals zuständig waren.
Hinweise auf die Erbauer
Die beiden Lilien über der stilisierten Schleuse geben uns einen Hinweis darauf, dass die Erbauer Hugenotten waren. Auf dem Haupthaus lassen sich die Namen Hannes Jüngling und Annamaria Jünglingin im Holz des Fachwerks erkennen. Sie stimmen auch mit den Monogrammen auf dem Eingangstorbogen und dem der Scheune überein.
Nachforschungen in den Kirchenbüchern blieben leider erfolglos. Auch dies ist ein Indiz dafür, dass die Erbauer Hugenotten waren. Sie wurden in der damaligen Zeit nicht in den Kirchenbüchern geführt und meist auch nicht auf den bestehenden Friedhöfen bestattet.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Hof damals zur Zeit der Erbauung nicht im eigentlichen Gemeindegebiet lag. Die umliegenden Häuser sind alle später erbaut worden. Außerdem befanden sich in der Umfriedung des Hofs Schießscharten, was auf eine gewisse Wehrfunktion hindeutet.
Spätere Besitzer
Die nächsten Hinweise auf die früheren Bewohner des Hauses sind leider erst in neueren Dokumenten zu finden. So befand sich der Hof gegen Anfang des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Hannes Rebholtz. Ein Hinweis darauf ist noch an einem Schloss am Hoftor zu sehen.
Gegen Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich der Hof im Besitz des wohlhabenden Lederhändlers Ferdinand Schohl, der in Pirmasens und Straßburg lebte und um 1920 in Stuttgart beerdigt wurde.
Danach ging das Anwesen für gut 100 Jahre in den Besitz der Winzerfamilie Fix über, von der wir es im Oktober 2020 erworben haben.







